Oscar Niemeyer wurde am 15. Dezember 1907 in Rio de Janeiro geboren. Auf seine portugiesischen, arabischen und deutschen Wurzeln ist er stolz: „Dabei sind die Schwarzen oder Indianer, die vielleicht auch noch zur Familie gehören, gar nicht berücksichtigt.“
Er ist für die Architektur das, was Picasso für die Malerei war. Der Stararchitekt aus Brasilien lebt in Rio de Janeiro. Er ist einer der weltbesten Architekten und man zählt ihn nicht umsonst zum Wegbereiter einer eigenen Architektur. Einer an das Bauhaus erinnernden Stilrichtung – dem Modernismus. Oscar Niemeyer schloss 1934 sein Studium an der Nationalen Schule der Schönen Künste in Rio de Janeiro ab und arbeitete im Anschluss mit Le Corbusiers zusammen am neuen Ministerium für Bildung und Gesundheit in Rio de Janeiro.
1939 reiste er mit Lúcio Costa nach New York, um Brasiliens Pavillion für die Welthandelsmesse zu konstruieren. 1940 lernte er der Bürgermeister von Belo Horizonte Juscelino Kubitschek kennen, den späteren Präsidenten. Hier entwarf er sein berühmtes Projekt Kirche von PAMPULHA.
1945 schloss er sich der Brasilianischen Kommunistischen Partei an. In den Jahren 1947 bis 1953 war er der Vertreter Le Corbusiers im Planungsgremium der UNO für das Haus der Vereinten Nationen. Die Zusammenarbeit mit ihm beeinflußte sein späteres Schaffen sehr.
Niemeyer heiratete 1928 Annita Baldo, die 2004 verstarb. Aus der Ehe stammt die Tochter Ana Maria. Er hat er eine Tochter, fünf Enkel, 13 Urenkel und vier Ururenkel. Am 16. November 2006 heiratete er seine 38 Jahre jüngere Sekretärin Vera Lucia Cabreira.
Niemeyer löste sich bald von den Vorbildern. Standen Architekten wie Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe oder Le Corbusier noch für schmallippige Rationalität und Effizienz, begeisterte Niemeyer mit dem Schwung und der Sinnlichkeit eines Südamerikaners – die vollbusige Variante sozusagen.
Freiheit der Form heisst das Architekturprinzip, welches Oscar Niemeyers Schaffen seit Jahrzehnten beflügelt. Aus dem Vokabular der Moderne und der Überlieferung seines Heimatlandes formte er eine ganz eigene Architektursprache der fließenden Linien und geometrischer Körper.
Als einer der ersten entwickelte er parabolische Betonkuppeln, stellte die Wände schräg oder legte sie in Wellen. Er verpasste seinen Bauten Vordächer wie riesige Nierentische. „Mich zieht nicht die gerade Linie an, die hart, unbiegsam und vom Menschen gemacht ist, mich ziehen vielmehr die weichen und sinnlichen Rundungen an, die Kurven der Berge meines Landes, der verschlungenen Biegungen unserer Flüsse, der Wolken des Himmels, des schönen weiblichen Körpers“.
1953 dann Bau des Copan-Wohnhaus in São Paulo für 5.000 Menschen in geschwungener, wellenförmiger Ästhetik. 1954 kam er zum ersten Mal nach Europa, um an einem Projekt zum Wiederaufbau Berlins teilzunehmen.
1956 bis 1958 entwarf und konstruierte er im Auftrag von Präsident Kubitschek den „Pilot-Plan“ – die neue Hauptstadt Brasilia, mit dem Stadtplaner und seinem ehemaligen Lehrer Lúcio Costa. Die Kritik, manche seiner Gebäude seien nicht funktional genug, weist Niemeyer entschieden von sich: „Es kommt auf die Schönheit an. Wenn man nur an die Funktion denkt, kommt nur Mist heraus.“
Die Illusion einer sozialen Utopie in Brasilia zerschlug sich rasch: „Während des Baus dachten wir, dass die Gesellschaft besser, die Menschen gleicher würden“, erinnert er sich. „Aber nein, mit der Einweihung der Stadt kamen die Politiker, die Geschäftsleute, die Klassenunterscheide, all das, was man bis heute dort sieht.“ Trotzdem wurde Brasilia 1987 von der UNO zum Weltkulturerbe ernannt.
Zwei Jahre nach der Errichtung der Militärdiktatur 1964 ging er wegen seiner Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei nach Frankreich ins Exil. Dies beendete die soziale Aufbruchstimmung eines Landes, die auch eine architektur-ästhetische Aufbruchsstimmung gewesen war. In Paris machte er u.a. eine Ausstellung über seine Arbeiten im Museum Louvre. 1967 bis 1972 war er u.a. verantwortlich für den Bau des Hauptsitzes der KP Frankreichs in Paris.
Ende der 1960er Jahre kehrte er zeitweise nach Brasilien zurück: „Ich bin ein Rebell. Ich rebelliere gegen die Ungerechtigkeit, gegen das Elend. Ich glaube an eine bessere Welt; …es ist möglich als solidarische Menschen zu leben, wie gute Menschen, als würdige Menschen.“ So Niemeyer über sich selber. „…Deshalb ist es die Aufgabe der Jugend, soweit das möglich ist, da sich alles verschlechtert, durch eine Revolution all das zu verändern … den Kapitalismus und all seine Ungerechtigkeiten … “
1970 trat er gegen den Vietnam-Krieg protestierend aus der Akademie der Wissenschaften und Künste der USA aus. In den 70er Jahren verwirklichte er viele Projekte und Reisen in Europa oder Nordarfika. Erst 1985 kehrte er vollständig wieder nach Brasilien zurück. 1988 bekam er den Pritzker-Preis (den „Nobelpreis“ für Architektur). Für sein Denkmal für Lateinamerika- in São Paulo.
1990 löste er seine Beziehungen zur KP Brasiliens auf – blieb aber seiner Überzeugung treu. Zur aktuellen Entwicklung in Lateinamerika sagte er: „Lateinamerika hat viel gelitten. Es wurde überfallen und verachtet … Heute sind es bedeutende Nationen. Sie können sich zusammenschließen und sich gegen den Imperialismus wehren. Ich beführworte diesen Kampf, dieses Ringen um die Einheit der Völker Lateinamerikas …“
1991 Niemeyer verwirklichte einen seiner größten Träume: den Bau des „UFO´s“ in Rio de Janiero: das Museum für zeitgenössische Kunst in Niteroi.
1996 bekam er für sein Lebenswerk den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig
Niemeyers Entwürfe haben auch nach siebzig Jahren ihre Wirkung nicht eingebüßt: so viel Schwung, Zukunftssehnsucht und Aufbruch muss man in der aktuellen Architektur erst einmal finden.
Das nächste Projekt 2008 von Oscar Niemeyers ist der Entwurf einer Statue des südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfers Simon Bolivar für Venezuela. Der Architekt hatte kürzlich ein Angebot dem Präsidenten Hugo Chavez überreicht. Das Bolivar-Monument wäre mit einer Höhe von mehr als 100 Metern höher als die Freiheitstatue in New York.
O-Ton Niemeyer zu den Perspektiven: „Ich glaube an die Revolution (…) der Sozialismus ist im Inneren der Herzen der Menschen und endet nicht von einem Tag auf den anderen. Mit der Revolution in der Sowjetunion wurde diese Entwicklungsrichtung angestoßen (…) wir müssen alle unseren Beitrag leisten. Es ist möglich die Welt zu ändern, wenn man es will.“
2002 wurde das Oscar-Niemeyer-Museum in Curitiba / Brasilien eröffnet.
Weitere ausgewählte Projekte und Bauwerke:
1937 Obra de Berço (eigenes Gartenhaus in Rio – im Stile des frühen Bauhaus)
1952 HOSPITAL SUL AMÉRICA – Rio de Janeiro / Brasilien
1955 Wohnhaus im Stadteil HANSA – Berlin / Deutschland
1962 Internationales Messegelände in Trípoli /Nord-Libanon
1964 Universität von Haifa / Israel
1965 Gouverneurspalast in Brazzaville / Kongo
1966 Hotel-Casino in Funchal – Insel Madeira / Portugal
1968 Wissenschaftlich-Technische Uni von Algier / Algerien
1969 Sitz von Renault bei Paris
1974 Welthandelscenter in Mailand / Italien
1984 Theater von Padua + 1986 Stadium von Turin / Italien
1994 Sambodrom (Sambaanlage) in Rio de Janeiro
2005 geplantes Freibad in Potsdam wird nicht gebaut
Interessante Internet-Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Niemeyer
http://habitualnews.blogspot.com/2007/12/o-poeta-em-forma-de-arquiteto.html
http://www.niemeyer.org.br/
http://www.readers-edition.de/2007/12/17/oscar-niemeyer-gescheitert/
http://plus7.arte.tv/de/detailPage/1697660,CmC=1770756.html (Das Video auf ARTE ist genial!)
Oder bei Flickr.com „oscarniemeyer“eingeben, dann bekommt man alle möglichen Fotos!




